„Löwen“ in Brettener Gärten
Die Geflecktflügelige Ameisenjungfer (Euroleon nostras) sieht einer Libelle ziemlich ähnlich. Ihre Larve dagegen ist völlig anders gebaut und hat eine bemerkenswerte Lebensweise.
Die etwa eineinhalb Zentimeter große Larve wird Ameisenlöwe genannt. Dieser „Löwe“ hat Mundwerkzeuge, die zu Saugzangen umgebildet sind und zwei Kanäle enthalten. Mit dem einen wird Gift in das Beutetier gespritzt, und mit dem anderen das Opfer ausgesaugt.
Im lockeren Sandboden gräbt die Larve einen bis zu acht Zentimeter großen Fangtrichter. Am Grund des Trichters gräbt sie sich bis auf die Saugzangen ein. So wartet sie oft wochenlang auf Beutetiere, meistens Ameisen, die in den Trichter stürzen. Dann packt sie blitzschnell zu. Falls der Ameisenlöwe das Beutetier verfehlt, wird es solange mit Sand beworfen, bis es in den Grund des Trichters abrutscht. Dann können die tödlichen Zangen erneut zugreifen. Nach dem Aussaugen der Beute wird dessen leere Hülle aus dem Fangtrichter geworfen.
Nach dem letzten Larvenstadium fertigt der Ameisenlöwe aus Sand einen kugelförmigen Kokon. Hier findet die Entwicklung vom Ameisenlöwen zum fertigen, flugfähigen Insekt statt. Das kann, abhängig von der Witterung, bis zu drei Jahre dauern. Die Gemeine Ameisenjungfer hat eine Körperlänge von bis zu vier Zentimeter. Ihre durchsichtigen Flügel mit dunklen Flecken erreichen eine Spannweite von fast acht Zentimetern, ihre Fühler sind keulenförmig verdickt.
Erst nach Sonnenuntergang werden sie aktiv und machen Jagd auf kleine Insekten. Da ihr Aussehen und Flugverhalten denen der Libellen ähnelt, werden sie auch als Nachtlibellen bezeichnet.
Der Bestand des Ameisenlöwen ist durch den Rückgang trockener, sandiger Flächen gefährdet und steht unter gesetzlichem Schutz. Seine Fangtrichter dürfen deshalb nicht zerstört werden. Da seine Verbreitung noch ungenügend erforscht ist, bittet der BUND, Funde auch von Fangtrichtern zu melden.


