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Autoren-Archive: gedi

Der Acker-Gelbstern – ein selten gewordener Frühlingsbote

Namensgebend für den Acker-Gelbstern sind seine leuchtend schwefelgelben Blütenblätter. Im Umland von Bretten kann man diesen Frühlingsboten gelegentlich noch an besonnten Weinberg-hängen entdecken. Er besitzt nur zwei etwa vier Millimeter breite, fast fadenförmige Laubblätter. Als Liliengewächs ist er mit den Tulpen verwandt, blüht nur von März bis Mai und überdauert als Zwiebel den Sommer, Herbst und Winter. Zusammen mit den gelben Weinbergstulpen und den blau blühenden Traubenhyazinthen trägt er zu einer artenreichen Frühlingsvegetation bei.
Das früher übliche Bearbeiten der Weinberge mit der Hacke hat dem Acker-Gelbstern nicht geschadet. Aber der Einsatz von tief den Boden bearbeitenden Maschinen zusammen mit giftigen Unkrautvernichtern, hat die Bestände des Acker-Gelbsterns drastisch verringert. Deshalb steht dieser Frühblüher auf der Roten Liste der gefährdeten Wildpflanzen.

Buchtipp : Wildlife Gardening

Die Kunst im eigenen Garten die Welt zu retten

Der Klimawandel schreitet voran. Die Insekten verschwinden. Und wir sind machtlos. Oder doch nicht? Dave Goulson zeigt, wie wir im eigenen Garten das Artensterben stoppen und zu Selbst-versorgern werden können. Pestizidfrei und CO2-neutral. Mit Katzenminze, Beinwell, und Sonnenbraut für bedrohte Bienen, mit Holunder-, Schlehen-, und Brombeersträuchern für seltene Vögel, mit Bohnen, Brokkoli und Blumenkohl – für uns selbst. Charmant leitet Goulson zur britischen Kunst des Wildlife Gardening an , mit der man reichere Ernten einfährt als mit jeder Monokultur. Dabei verrät er, warum Lavendel nicht gleich Lavendel ist, weshalb wir im Garten- center darauf achten sollten auf welchen Pflanzen sich Hummeln niederlassen und wie auch in kleinen Gärten Dutzende Gemüsesorten nebeneinander gedeihen. Mit Tomaten die Erde retten?
Dave Goulson zeigt mit seiner revolutionären Gartenkunst, wie es gelingen kann.

Carl Hanser Verlag ISBN 978-3-446-26188-4

Wildbienen: Tausend Königinnen warten auf den Frühling

Zwischen Äcker und Wiesen rings um Bretten gibt es sie noch: Erdwege, die nicht betoniert oder asphaltiert sind. Auf diesen können aufmerksame Spaziergänger schon im zeitigen Frühjahr wenige Zentimeter große Häufchen aus feinen Erdkrümeln entdecken. Sie ähneln kleinen Maulwurfshügeln, oder genauer gesagt, einem Vulkanberg mit einem Krater in der Mitte.
Sie sind das Werk von im Boden brütenden Wildbienen, deren Weibchen einen bis zu 15 Zentimeter tiefen Schacht mit ihren Kieferzangen graben. Die abgebissenen Erdkrümel werden dann um den Nesteingang herum als flacher Kegel abgelagert. Am Ende des Schachtes legt das Weibchen bis zu acht Brutzellen an, kleine Kämmerchen, die mit Futter aus Nektar und Blütenstaub gefüllt werden und in die ein Ei gelegt wird. Die daraus schlüpfenden Larven ernähren sich von diesem nahrhaften Proviant, verpuppen sich und verlassen dann als fertig entwickelte Wildbienen das Erdnest.
Von den über 400 Wildbienenarten, die es in Baden-Württemberg gibt, legen etwa 300 ihre Nester im Boden an. So auch die bis zu einem Zentimeter große Pförtner-Schmalbiene mit dem wissenschaftlichen Namen Lasioglossum malachurum, die auch in Bretten und Umgebung heimisch ist. Mehrere Weibchen sind gemeinsam am Nestbau beteiligt. Während eine Biene Futter sammelt, bewacht eine andere wie ein Pförtner den Eingang zum Nest. Wie ein Korken in der Flasche verwehrt diese anderen Bienen, die nicht zum Nest gehören, den Zutritt.

Senkrechtstarter

Mit etwas Geduld können Spaziergänger beobachten, wie die Wächterbiene, vergleichbar mit einem Senkrechtstarter, vom Nest wegfliegt, um einer Artgenossin, die vollgetankt ist mit süßem Nektar und schwer beladen mit Pollen den Weg zum Nest freigibt. Die Pförtner-Schmalbiene ist, was ihren Speisezettel betrifft, nicht wählerisch. Durch ihren Blütenbesuch trägt sie zur Samenbildung und damit zur Erhaltung von einem Dutzend Pflanzenfamilien, darunter vielen Wiesenblumen, bei.

Im August entwickelt sich dann die nächste Generation, die aus großen Männchen und Weibchen, den Königinnen, besteht. Nach der Paarung überwintern letztere in ihren Geburtsnestern.

„In Bretten gibt es Nistplätze in denen dann bis zu tausend Königinnen in frostsicherer Tiefe den kalten Winter überstehen“, weiß Matthias Menzel vom BUND. In Zusammenarbeit mit der Flurbereinigungsbehörde konnte der BUND erreichen, dass diese Brutkolonien erhalten werden.
In Deutschland sind alle Wildbienenarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützte Arten. Dieser unmittelbare Schutz ist aber für die Erhaltung der Wildbienen nicht ausreichend, weil ihre natürlichen Lebensräume immer noch neuen Wohngebieten, Gewerbeflächen und Straßen zum Opfer fallen. Außerdem sterben viele Wildbienen durch den Einsatz giftiger Pestizide.

Gesetzeslage: Wildbienen sind besonders geschützt und dennoch bedroht
Wildbienen sind vielen Bedrohungen ausgesetzt – und auf Schutz angewiesen

Vogelspinnen in Brettener Gärten und Wiesen ?

Monsterspinnen im Kino oder Fernsehen sorgen bei den Zuschauern für Angst und Schrecken und lassen ihre Knie schlottern. Andere Zeitgenossen halten handtellergroße Vogelspinnen als Terrarientiere im Wohnzimmer. Viele Menschen leiden an einer Spinnenphobie und geraten beim Anblick selbst kleinster Spinnen in Panik. Zum Glück gibt es große und gefährliche Spinnen meist nur in den warmen Tropen und Subtropen. Doch wurde erst vor Kurzem in einem Garten mitten in Bretten Verwandte der Vogelspinnen entdeckt .
„Aber keine Angst, diese Krabbeltiere erreichen höchstens eine Körpergröße von etwa einem Zentimeter“, weiß Hans-Georg Leonhardt vom BUND. Außerdem bekommt man die Pechschwarze Tapezierspinne mit dem wissenschaftlichen Namen Atypus affinis, nur sehr selten zu Gesicht, weil sie fast ihr ganzes Leben lang in einer bis zu 30 Zentimeter tiefen, selbst gegrabenen, etwa fingerlangen Röhre verbringt. Diese liegt , versteckt in der Vegetation, zur Hälfte als Fangschlauch waagerecht an der Erdoberfläche. Die Wände dieser „Wohnung“ sind mit Spinnenseide „tapeziert“, was zu ihrem Namen geführt hat.
Beutetiere, die sich ihrem Gespinst nähern, werden per Giftbiss getötet, in die Röhre gezerrt und ausgesaugt. Nur die Männchen verlassen zur Paarung ihre Wohnung und machen sich auf die Suche nach Wohnröhren der Weibchen. Nach der Paarung werden die Eier in einem Kokon aus Spinnenseide verpackt. Die jungen Spinnen schlüpfen im Herbst, verlassen aber erst an warmen Frühlingstagen die Wohnung der Mutter, um dann ein eigenständiges Leben zu führen. Doch zuerst bauen die Jungspinnen gemeinsam an Grashalmen ein zeltdachförmiges Gespinst. Von hier lassen sie sich dann an einem langen Faden vom Wind zu geeigneten Lebensräumen verwehen.

Aber warum zählen Spinnenexperten die Tapezierspinne zur Verwandtschaft der Vogelspinnen?
Die meisten Spinnen besitzen zwei nadelspitze Giftklauen, mit denen sie ihre Beutetiere mit einem Giftbiss, wie mit einer Beißzange, töten. Vogelspinnen haben parallel nach vorn gerichtete Giftklauen, die von oben in das Opfer gestochen werden, vergleichbar mit dem Biss von Giftschlangen. Bei Gefahr richtet die Tapezierspinne ihre Giftklauen hoch auf und droht damit
eindrucksvoll ihren Angreifern. Aber keine Sorge! Beim Menschen soll der Biss einer Tapezierspinne nur für kurze Zeit ein leichtes Brennen mit einer Rötung an der Bissstelle verursachen. Dies ist bisher aber nur extrem selten vorgekommen.
Leider ist der Bestand der Tapezierspinne, sie war Spinne des Jahres 2013, nach der Roten Liste in Deutschland, gefährdet.

Die Gemeine Tapezierspinne, Atypus affinis(Araneae: Atypidae), Spinne des Jahres 2013

Winzlinge auf dem Eis

Eingemummt in den dicken Wintermantel, die Mütze weit über die Ohren gezogen und gefütterte Stiefel an den Beinen, nur so trauen sich Spaziergänger an frostigen Wintertagen ins Freie. Unvorstellbar, dass es auch bei uns im Kraichgau gleich mehrere Arten winziger Tiere gibt, die unbekleidet und mit nackten Beinen auf dem eiskalten Schnee herumlaufen und sich dabei sichtlich wohl fühlen. Die meisten sind langgestreckt und dunkel, einige aber kugelförmig und rotbraun gefärbt wie der Bunte Kugelspringer.

Es sind urtümliche Insekten, die zu den Springschwänzen zählen. Ihren Namen haben diese Winzlinge von ihrer auf der Bauchseite liegenden Sprunggabel, mit der sie mehrere Zentimeter weit springen können. Ihre Verwandten, die in den eisigen Höhenlagen der Hochgebirge auf Gletschern leben, werden auch als Gletscherflöhe bezeichnet. Mehrere Grade unter dem Gefrierpunkt können diesen Tierchen nichts anhaben, weil ihr Blut ein Frostschutzmittel enthält, das sie vor dem Tod durch Erfrieren schützt.

„Man muss beim Absuchen von Schneeflächen schon genau hinschauen, wenn man diese Winzlinge entdecken will, weil manche von ihnen kleiner als ein Millimeter sind“ , weiß Matthias Menzel vom BUND. Oft werden sie für kleine dunkle Rußteilchen gehalten und nicht beachtet. Auf dem Schnee besteht ihre Nahrung aus Pilzsporen,winzigen Algen oder angewehten Pollenkörnern von Frühblühern. Springschwänze sind erstaunlich zählebig. Manche könnten mehrere Jahre in der Gefriertruhe überleben. In der schnee- und eisfreien Jahreszeit besiedeln diese Tierchen oberste Bodenschicht, wo sie zur Humusbildung beitragen.

Brettener mit langen Hörnern

Noch kann man sie auf Streuobstwiesen in der Umgebung von Bretten antreffen: Die Mai-Langhornbienen. Ihren Namen tragen diese Wildbienen zurecht, weil ihre Fühler oft länger als der Körper sind. Die Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens), die Wildbiene des Jahres 2021, ist in der freien Natur und mit bloßem Auge von anderen Langhornbienen kaum zu unterscheiden.
Die Flugzeit kann hier allerdings weiterhelfen. Während die Mai-Langhornbiene bereits im Mai fliegt, hat die Juni-Langhornbiene (Eucera longicornis) ihre Hauptflugzeit im Monat Juni.

Die Streuobstwiesen im Kraichgau, auf denen reichlich Zaunwicken oder andere Schmetterlings-blütler blühen, sind der bevorzugte Lebensraum dieser Bienen. Auch an Waldrändern und Hecken kann man sie antreffen.
An wenig bewachsenen Stellen graben die Weibchen Gänge in den Boden und legen dort Brutkammern an, die mit Nektar und Blütenstaub als Futter für die heranwachsenden Larven gefüllt werden. Nach dem Nestbau sterben die Weibchen. Die jungen Bienen schlüpfen erst im nächsten Frühjahr.

Der Bestand hat in einigen Bundesländern bereits ein bedrohlich geringes Ausmaß erreicht, obwohl alle Wildbienenarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz aus dem Jahr 2002 besonders geschützt sind. Immer noch verschwinden Tag für Tag ihre Lebensräume unter Beton und Asphalt und aktuelle Planungen verschärfen die Situation. Nur wenn bestehendes Grünland ausnahmslos erhalten bleibt und Schutzmaßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt oberste Priorität eingeräumt wird, werden auch die Mai-Langhornbienen bei uns eine Überlebenschance haben. Darauf weist der BUND Bretten seit Jahren hin.

Gesetzeslage: Wildbienen sind besonders geschützt und dennoch bedroht

Wildbienen: Gesetze

Der Maulwurf

Bild von Dirk (Beeki®) Schumacher auf Pixabay
In der Unterwelt Brettener Gärten zu Hause

Wegen seiner unterirdischen Lebensweise bekommt man ihn selten zu sehen, den Maulwurf (Talpa europaea). Sein Name ist auf das alte Worte Molte, das Erde bedeutet, zurückzuführen. Der „Erdwerfer“ häuft in Wiesen und Gärten stattliche Erdhügel auf. Diese Maulwurfshügel sind kuppelförmig und enthalten grobe Erde. Für ein Leben unter der Erde ist dieses Säugetier mit einer Körperlänge von etwa 15 Zentimeter Länge bestens ausgerüstet. Seine Schnauze ähnelt einem Schweinerüssel, mit dem er seine Beutetiere erschnüffelt, und seine Hände sind zu kräftigen Schaufeln entwickelt, mit denen er sein viele Meter langes Gangsystem gräbt. Sein meist schwarzes Fell hat keinen Haarstrich, um das Rückwärtskriechen nicht zu erschweren. Auch besitzt er keine Ohrmuscheln. Diese wären bei der Fortbewegung in der engen Erdröhre hinderlich. Seine Augen sind nur so klein wie Mohnkörner. Da er in völliger Finsternis lebt, wären gut entwickelte Augen völlig nutzlos.
Mit seinem guten Geruchssinn spürt er in den Erdgängen seine Beutetiere auf, hauptsächlich Regenwürmer, Engerlinge und andere Insektenlarven. Zum Ergreifen der Beutetiere dient ihm sein Insektenfressergebiss. Seine insgesamt 44 winzigen Zähne haben scharfe Kanten und spitze Höcker.
Der Bau seiner Gänge ist kräftezehrend, deshalb muss er dauernd fressen. Nur wenige Stunden überlebt er ohne Mahlzeit. Die tägliche Futtermenge entspricht seinem halben Körpergewicht.
Manchen Gartenbesitzern ist es lästig, wenn der Maulwurf auf der gepflegten Rasenfläche seine Erdhügel aufwirft. „Dies macht er aber nur so lange, bis er keine Engerlinge, die die Graswurzeln abfressen, mehr findet. Mit knurrendem Magen zieht der nützliche Helfer dann weiter“, weiß Matthias Menzel vom BUND.

Früher wurde der Maulwurf , weil man glaubte, dass er schädlich sei, getötet und wegen seines flauschigen Fells sogar von „Maulwurfsfängern“ bejagt. Vor hundert Jahren wurden Maulwurfsfelle zum Pelzen verarbeitet, die sehr beliebt waren. Da Maulwürfe so klein sind, mussten viele Tiere ihr Leben für die Mode lassen. Inzwischen hat man die Nützlichkeit dieses Insektenfressers erkannt.

„In Deutschland ist der Europäische Maulwurf nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Wer einem Maulwurf vorsätzlich nachstellt oder ihn gar tötet, der muss mit einer empfindlichen Geldstrafe rechnen“, betont Hartmut Weinrebe vom BUND-Regionalverband Mittlerer Oberrhein.

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat den Europäischen Maulwurf (Talpa europaea) zum Tier des Jahres 2020 gewählt.
BUND-Net: Von Mensch und Maulwurf

Die Mauerassel (Oniscus asellus)

Nützlicher Krebs in Wald und Garten

Nicht nur in den Wäldern von Bretten und Umgebung, sondern auch unter Steinen, in Komposthaufen und manchen Kellern, überall dort, wo es feucht und dunkel ist, kann man die Mauerassel (Oniscus asellus)finden.

Der Körper dieser Tiere, der gut 15 Millimeter Länge erreichen kann, ist abgeflacht, bräunlich gefärbt mit hellen Flecken. Das zweite Fühlerpaar ist lang und gut sichtbar. Die Fühlerspitze ist, im Gegensatz zur ähnlichen Kellerassel, dreigliedrig. Dagegen ist das erste Fühlerpaar nur winzig klein und selbst mit einer Lupe nur schwer zu erkennen.

Asseln sind Krebstiere
Ihre Vorfahren lebten noch vor Millionen Jahren im Meer. Im Laufe der Evolution haben sie das Wasser verlassen und sind zum Landleben übergegangen.Ihre Atmungsorgane, mit denen der lebensnotwendige Sauerstoff aufgenommen wird, erinnern noch an ihre Vorfahren. Die Mauerassel atmet noch mit Kiemen, die sich an der Körperunterseite, unter dünnen Hautplättchen verborgen, befinden. Auch die Fortpflanzung weist auf die Abstammung von ursprünglich im Meer lebenden Tieren hin: Die Weibchen legen ein paar Dutzend Eier in einen mit Wasser gefüllten Brutbeutel an der Körperunterseite ab. Hier können sich die Eier gut geschützt zu Jungtieren entwickeln.

Die Mauerasseln ernähren sich hauptsächlich von abgestorbenen Pflanzen und vermoderndem Holz. Auch Insekteneier und Tierkadaver werden nicht verschmäht.
Sie bevorzugen weiches Futter, das leicht zu zerkauen ist. Deshalb fressen die Mauerasseln von Blättern nur die weichen Bestandteile . Die härteren Blattrippen werden nicht angerührt. Selbst der Kot wird nochmals gefressen und verdaut. Dadurch werden auch die letzten Nährstoffe noch verwertet. Der krümelige Kot enthält viel Humus, wodurch die Fruchtbarkeit des Bodens erhöht wird. Deshalb können sich Gartenbesitzer freuen, wenn diese nützlichen kleinen Helfer im Komposthaufen die Gartenabfälle in fruchtbaren Humus verwandeln.

Da die Mauerassel auch in Höhlen vorkommt, wurde sie vom Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher zum Höhlentier des Jahres 2020 gewählt.

Migrantin aus dem Süden : Die Kräuseljagdspinne

Sie hat sich in den letzten drei Jahrzehnten von den Mittelmeerländern über die Alpen bis zu uns in den Kraichgau ausgebreitet: Die Kräuseljagdspinne Zoropsis spinimana.
Jetzt wurde ein Exemplar in einem Garten der Brettener Innenstadt entdeckt. Diese Spinne kann eine Körperlänge von fast zwei Zentimetern erreichen. Ihre ausgestreckten Beine haben eine Spannweite von bis zu fünf Zentimetern. Die Grundfärbung ist sehr variabel, von gelblich über grau bis zu dunkelbraun mit einer dunklen Zeichnung auf der Oberseite.
An ihren Beinspitzen besitzt sie feine Haarbüschel mit mikroskopisch kleinen Hafthaaren mit bürstenartigen Enden. Damit kann sie mühelos an senkrechten Glaswänden hochklettern.

Diese Spinne baut kein Fangnetz, obwohl sie Fäden produzieren kann. Diese Kräuselfäden werden zu einer Schutzhülle des Eigeleges, das bis zu hundert Eier enthalten kann, verwoben. Die Weibchen kümmern sich um ihren Nachwuchs. Sie bewachen den Eikokon mit den geschlüpften Jungspinnen.
Ihre Beute, meistens Insekten, aber auch andere Spinnen, wird im Sprung blitzschnell überwältigt und durch einen Giftbiss getötet. Bei Berührung fühlt sich die Spinne bedroht und kann beißen.
Ihr Biss ist zwar für Menschen ungefährlich, aber doch schmerzhaft. „Man lässt sie also besser in Ruhe“, empfiehlt Matthias Menzel vom BUND Bretten.

Link : Naturkundemuseum Karlsruhe: Kräuseljagdspinnen – Neuankömmlinge bei uns

Steckbrief: Schmetterlingsmücke

In Bädern und Toiletten zu Hause
Dieser Beitrag ist ein Update zu unserem Steckbrief von 2014

Mit ihren dachförmig auf dem Rücken liegenden Flügeln erinnern die Schmetterlingsmücken
an kleine Nachtfalter. In Brettener Wohnungen tauchen sie immer wieder auf. Meist sitzen sie im Bad auf den Kacheln Wänden, Tapeten oder Gardinen. Doch wo kommen sie her? Von den Bewohnern unbemerkt legen sie ihre Eier in die Abläufe von Waschbecken oder Abwasserrohren.
Ihre schlanken Larven ernähren sich dort etwa zwei Wochen lang vom schleimigen Bakterienbelag. Nach der Verpuppung schlüpfen dann die Fliegen. Im vergangenen Sommer hat die Hitze die Entwicklung beschleunigt und zum vermehrten Auftreten der Schmetterlingsmücken geführt.
In beheizten Gebäuden können sich diese Insekten das ganze Jahr über fortpflanzen. Bei Massenauftreten werden sie lästig, stechen können sie nicht. Da sie auch Krankheitserreger übertragen, müssen sie vor allem in Lebensmittel verarbeitenden Betrieben bekämpft werden. Um diese Lästlinge los zu werden, genügt es , Abläufe von Waschbecken, Badewannen, Duschen und Toiletten regelmässig gründlich zu reinigen.
Die Mückenart Clogmia albipunctata, die auch als Gully- oder Abortfliege bezeichnet wird, stammt aus Südeuropa und hat sich offensichtlich, bedingt durch den Klimawandel, seit über einem Jahr-zehnt über ganz Europa verbreitet. In Deutschland gibt es etwa hundert verschiedene Arten. (gd)

LINKS:
Alternative Bekämpfungsmaßnahmen

BUND Insektenatlas PDF-Datei

Buchtipp : 102 Grüne Karten zur Rettung der Welt

Mit 102 Karten werden globale Umweltprobleme anschaulich dargestellt.

    Wie viel Tropenwald verliert die Erde jedes Jahr?
    Wie viel der Erdoberfläche ist zubetoniert?
    Welche Stadt investiert am meisten in Radwege?
    Bestimmt jeder Einzelne über die Zukunft der Welt,
    oder ist vor allem die Politik gefordert?

Dieses informative Buch liefert liefert Fakten für Diskussionen.

ISBN 978-3-518-47083-1 Suhrkamp Verlag Berlin 2020 22 Euro

Flucht vor Hitze und Trockenheit

In Trockenstarre durch den Sommer

Spaziergänger entdecken sie nur selten, obwohl sie in Bretten und Umgebung gerne sonnige Böschungen und Straßenränder besiedelt: Die Gemeine Heideschnecke (Helicella itala).
Ihr Gehäuse mit einem Durchmesser bis zu zweieinhalb Zentimeter ist scheibenförmig flach, hell, mit braunen, variablen Bändern. Dort, wo sie optimale Lebensbedingungen vorfindet, kann diese Schnecke auch in zahlreichen Exemplaren vorkommen.

Bevor es sommerlich heiß und trocken wird, klettern die Heideschnecken an Pflanzenstängeln hoch
und verschließen die Mündung ihres Gehäuses zum Schutz vor Austrocknung mit einem Häutchen aus erhärtetem Schleim. So überstehen sie oft dicht gedrängt und ohne Nahrungsaufnahme die heißen Sommerwochen und warten auf den nächsten Regen.

Auf diese Weise können sie auch längere Trockenperioden überdauern, weil schon wenige Zentimeter über dem Boden die Temperaturen niedriger sind. In der Bundesrepublik Deutschland ist diese Schneckenart als gefährdet eingestuft. Sie wurde von der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft (DMG) zum Weichtier des Jahres 2019 gewählt.

Unser Rüdtwald-Video

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