Dicke, pelzige Brummer in Brettener Gärten
In den ersten warmen Frühlingstagen sind sie wieder unterwegs, immer auf der Suche nach Blüten, die zuckerhaltigen Nektar und eiweißreichen Blütenstaub liefern. Dabei sind sie auf der Suche nach einem geeigneten Platz für eine Nestanlage. Verlassene Vogelnistkästen, nicht mehr von Mäusen genutzte, unterirdische Nester sind bevorzugte Plätze. Die Hummeln, die jetzt unterwegs sind, sind alle Königinnen, also Weibchen, die sich im vergangenen Herbst gepaart haben und jetzt auf der Suche nach einem geeigneten Nistplatz sind. Ist ihre Suche erfolgreich, dann bauen sie aus Moos ein isolierendes Nest und legen Eier. Die ausschlüpfenden Larven werden mit Nektar und Pollen gefüttert. Nach ihrer Entwicklung zu erwachsenen Hummeln übernehmen diese den Bau der Waben und die Fütterung der Larven. So wächst der Hummelstaat im Laufe des Sommers, je nach Hummelart auf bis zu 600 Tiere.
In Deutschland gibt es etwa 40 Hummelarten, die alle zu den Wildbienen zählen. Ihr dicker Pelz ermöglicht es ihnen, bereits bei Temperaturen von nur wenigen Grad über dem Gefrierpunkt, wenn alle anderen Bienen noch starr vor Kälte sind, zu fliegen und Blüten zu besuchen. Dabei hilft ihnen das sogenannte „Wärmezittern“ . Sie zittern mit ihren Flugmuskeln und steigern so ihre Körpertemperatur, bis sie flugfähig sind, auf 30°C.
So sorgen Hummeln auch in einem kalten Frühjahr für die Bestäubung der Blüten unserer Obstbäume. Dabei setzen manche Obstbauern Zuchthummeln auf ihren Obstplantagen ein, um den Ernteertrag zu erhöhen.
Bei Tomaten sitzt der Blütenstaub im Inneren der Staubgefäße. Er tritt in der Regel erst dann aus, wenn die Pollenbehälter geschüttelt werden. Die Hummeln zittern mit ihren Flugmuskeln, setzen die Blüte in Schwingung und der Pollen fällt heraus. Erst diese „Vibrationsbestäubung“ ermöglicht reiche Tomatenernten. Hummeln sind durch ihre hohe wirtschaftliche Bedeutung für den Obst- und Gemüsebau unverzichtbar. Doch leider ist ihr Bestand bedroht. Immer noch verschwinden natürliche Lebensräume für immer unter Beton und Asphalt. Monokulturen und Pestizide führen zum Verlust geeigneter Futterpflanzen.
Welchen Beitrag können Hobbygärtner zum Schutz dieser unverzichtbaren Insekten leisten? Corinna Hölzel, Expertin für insektenfreundliche Gärten beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) empfiehlt, im Garten heimische Wildpflanzen mit Blüten vom zeitigen Frühjahr bis späten Herbst zu pflanzen, damit Hummeln während der gesamten Flugzeit von März bis Oktober ein kontinuierliches Nahrungsangebot finden. Mehr Tips hier: Eine Wohlfühloase für Hummeln.
Und was machen Hummeln die beim Fliegen viel Wärme erzeugen und in einem dicken Pelz stecken im Hochsommer? Warum erleiden sie keinen Hitzschlag? Amerikanische Forscher haben kürzlich herausgefunden, dass ihr Schwirren mit den Flügeln wie ein Ventilator wirkt: Wie Hummeln beim Fliegen dem Hitzetod entgehen.
Siehe auch unseren Buchtipp: Dave Goulson: Und sie fliegt doch, eine kurze Geschichte der Hummel