Willkommen bei der BUND-Ortsgruppe Bretten!

  

Sprunggewaltiger Laternenträger

„Aliens-Zikade“ in Bretten zu Hause

Science-Fiction-Freunde hätten ihre Freude an ihr. Wie Aliens von einer weit entfernten Galaxie sehen sie aus. Ihr Kopf ist zwischen den Augen zu einem spitz zulaufenden Fortsatz ausgezogen. Dadurch ist der Europäische Laternenträger Dictyophara europaea, ein zu den Zikaden zählendes Insekt, unverwechselbar.
Der Name „Laternenträger“ geht auf eine verwandte Art zurück, die in Südamerika lebt und deren Kopffortsatz angeblich hell leuchten könne, wie Forschungsreisende schon vor Jahrhunderten berichteten. Den harmlosen Insekten wird man allerdings nur selten begegnen, weil sie bei einer Körpergröße von gut einem Zentimeter und ihrer grünen Tarnfarbe nur schwer zu entdecken sind. Dazu trägt auch ihr Fluchtvermögen bei. Sie können blitzschnell einen Meter hoch und genau so weit springen.
Auf der Brettener Gemarkung hat sich inzwischen, auf einem vom BUND ursprünglich für Wildbienen angelegten Biotop, auch der Laternenträger angesiedelt, weil er hier die für ihn lebensnotwendigen Voraussetzungen findet: Viele verschiedene Futterpflanzen, Flächen mit unbedecktem Boden und ausreichend Wärme durch besonnte Bereiche. Hier kann sich der Europäische Laternenträger erfolgreich mit einer Generation im Jahr fortpflanzen. Die Weibchen legen ihre Eier am Boden ab und hüllen diese mit Erdkrümeln ein. Nach der Überwinterung schlüpfen die Larven im Frühjahr aus den Eiern. Die ausgewachsenen Laternenträger findet man dann von Ende Juni bis bis Oktober. Diese Zikade ist hauptsächlich im Mittelmeergebiet und in ganz Deutschland verbreitet. Nach der Roten Liste ist sie als gefährdet eingestuft.

Gelbbauchunke – Kleiner Lurch auf der Roten Liste

In unserem Sprachgebrauch werden pessimistische Äußerungen auch als Unkenrufe bezeichnet. Diese sind auf die Paarungsrufe der männlichen Gelbbauchunke (Bombina variegata) zurückzuführen, die im Frühsommer als leises melodiöses „uh … uh … uh“ zu hören sind.
Die Gelbbauchunke ist unverwechselbar. Sie erreicht eine Körpergröße von knapp fünf Zentimetern, hat einen mit Warzen bedeckten Rücken, Pupillen, die an ein kleines Lebkuchenherz erinnern und eine knallig gelb gefleckte Bauchseite mit individuellem Muster.

Als Lebensraum bevorzugt sie Kiesgruben, Steinbrüche oder Wagenspuren in Wäldern also dort, wo Kleingewässer wie Pfützen oder Gräben mit zeitweiliger Wasserführung entstehen.
Diese Gewässer erwärmen sich rasch, wodurch sich Laich und Kaulquappen schnell entwickeln können.

Wagenspurbiotop
In der Laichzeit etwa von Mai bis Juni, legen die Weibchen meistens nach Regenfällen mehrmals einzeln oder als kleine Klümpchen bis zu 30 Eier ins Laichgewässer ab. Bevor das Gewässer austrocknet ist die Entwicklung abgeschlossen und die kleinen Unken können ihre Kinderstube verlassen. Die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere ernähren sich hauptsächlich von kleinen Insekten. Sie selbst werden von Molchen, Libellenlarven und Vögeln gefressen.

Bei Bedrohung taucht die Gelbbauchunke sofort unter und gräbt sich in den Schlamm ein. Wird sie an Land bedroht, nimmt sie eine für sie typische Schreckstellung ein. Sie zieht Vorder- und Hinterbeine an, macht ein Hohlkreuz und zeigt ihre gelbe Unterseite. Durch das unvermittelte „gelbe Aufblitzen“ schreckt sie Feinde ab.
Die Gelbbauchunke ist eines der Sorgenkinder unter den Amphibien. Dies zeigte die in ganz Baden-Württemberg von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) durch-geführte Kartierung der Amphibienbestände, an der sich auch der BUND Bretten beteiligte. Nur dort, wo es eine hohe Gewässerdichte gibt, sind die Populationen noch stabil. In den untersuchten Quadranten mit einem hohen Anteil an Ackerland hat der Bestand dieser hochmobilen Amphibienart besonders abgenommen.

Die Ursachen sind vielfältig: Verlust und Zerschneidung von Lebensräumen durch die fortgesetzte Erschließung von Wohn- und Gewerbegebieten und den Neubau von Straßen. „Dadurch werden bestehende Populationen getrennt , ihre Vitalität geschwächt und die Artenvielfalt nimmt ab“, weiß Gertraud Steinbach vom BUND.
Die Zerschneidung und damit die Verkleinerung und Trennung von einst zusammenhängenden Lebensräumen ist vergleichbar mit einem teuren Teppich, den man in kleine Stücke schneidet. Es bleiben nur wertlose Schnipsel übrig.

Die Gelbbauchunke steht auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten und ist eine nach der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie streng zu schützende Amphibienart. Sie zählt zu den sogenannten Verantwortungsarten, weil Deutschland für die Erhaltung dieser Art eine besondere Verantwortung trägt. „In Baden-Württemberg gehört sie zum 111- Arten-Korb, dazu gehören Pflanzen- und Tierarten, die besonders auf unsere Hilfe angewiesen sind“, betont Hartmut Weinrebe der Geschäftsführer des BUND Regionalverbandes Mittlerer Oberrhein.

Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL): Anhänge II und IV (es sind eigens Schutzgebiete auszuweisen / streng zu schützende Art)
Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG): streng geschützt
Einstufung als Verantwortungsart Deutschlands innerhalb der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt der Bundesregierung

Streuobstwiesen sind jetzt „Immaterielles Kulturerbe“

Der BUND in Baden-Württemberg hat den vom Verein Hochstamm-Deutschland eingereichten Antrag auf Anerkennung des Streuobstanbaus als Immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO, erfolgreich unterstützt: Die Kultusminister der Länder haben jetzt bei der Kultusministerkonferenz beschlossen, den Streuobstanbau in das „Bundesweite Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe“ aufzunehmen.
Damit wird auch die besondere Verantwortung, die das Land Baden-Württemberg für die Erhaltung dieser wertvollen Kulturlandschaft trägt, unterstrichen. Hier im Südwesten der Bundesrepublik gibt es noch die größten zusammenhängenden Streuobstwiesen Europas. Deren Biodiversität ist enorm : Bis zu 5000 verschiedene Pflanzen- und Tierarten bilden hier eine charakteristische Lebensgemeinschaft. Rund 3000 Sorten von Apfel-, Birnen-, Zwetschgen-, Kirschen- und Walnussbäumen bieten eine breite kulinarische Auswahl.

Blühende Obstbäume bieten zusammen mit einer Fülle verschiedener Wiesenblumen zahlreichen Insektenarten wie Wildbienen und Schmetterlingen ein breit gefächertes Angebot von Blütenstaub und Nektar. Jede Wiesenpflanze sichert die Existenz von etwa einem Dutzend Insektenarten. Das Totholz abgestorbener Bäume sichert die Entwicklung der Holzbiene und vieler Käferarten. Die Nahrungsbeziehungen im Lebensraum Streuobstwiese sind in vielfacher Weise miteinander verknüpft. Streuobstwiesen sind der Garant für das Überleben vieler Tierarten.

Auf den intensiv genutzten Ackerflächen mit großflächigen Monokulturen von Mais, Raps oder Getreide und dem Einsatz giftiger Pestizide gibt es keine Artenvielfalt mehr. Deshalb ist es wichtig, alle Streuobstwiesen ausnahmslos zu erhalten. Denn mit jeder aussterbenden Tierart verliert der Naturhaushalt an Stabilität und der Insektenbestand hat in den letzten Jahren dramatisch abgenommen, wie die kürzlich veröffentlichte Krefelder Studie belegte.
Um auf die Notwendigkeit, die Streuobstwiesen zu erhalten, aufmerksam zu machen, wird der 30. April 2021 vom Verein Hochstamm-Deutschland zum europaweiten Tag der Streuobstwiesen ausgerufen.

LINKS:
Krefelder Studie: More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas

Naturschutzverbände im Land unterstützen Anerkennung von Streuobst als immaterielles Kulturerbe der UNESCO

Video des Vereins Hochstamm Deutschland e.V. zum immateriellen Kulturerbe Streuobstwiese

Streuobstinitiative im Stadt- und Landkreis Karlsruhe e.V.

Grüne Reiswanze jetzt auch in Brettener Gärten

Larve der grünen Reiswanze

Sie hat in den letzten Jahren einen weiten Weg zurückgelegt. Von Ostafrika hat sich die Grüne Reiswanze, Nezara viridula, wie sie von Wissenschaftlern genannt wird, über die Länder am Mittelmeer ausgebreitet und jetzt auch die Felder und Gärten von Bretten und seinem Umland erobert.
Sie erreicht eine Körperlänge von eineinhalb Zentimetern und ist meistens grün gefärbt. Aber es gibt auch rot oder orange gefärbte Exemplare. Von der ähnlichen Grünen Stinkwanze ist sie durch drei weiße Punkte auf ihrem Halsschild und zwei am Rand gelegene schwarze Punkte leicht zu unterscheiden.
Nach der Paarung im Mai legen die Weibchen ihre Eier an der Unterseite von Blättern ab. Das Eigelege besteht aus über hundert gelb, später orangefarbenen Eiern. Die ausschlüpfenden Larven entwickeln sich über fünf sehr unterschiedliche Stadien zur ausgewachsenen Wanze. Diese leben gesellig und halten sich meistens gruppenweise an Pflanzen auf.
„Da die Larven kleinen, rundlichen Käfern ähneln, werden diese auch fälschlicherweise als „schwarze Marienkäfer“ bezeichnet“, weiß Matthias Menzel vom BUND.

Die Grüne Reiswanze ist bei der Auswahl ihrer Futterpflanzen nicht wählerisch. Sie befällt verschiedene Gemüsepflanzen und Obstkulturen. Mit ihrem für Wanzen typischen Saugrüssel sticht sie Blätter und Früchte an und saugt Pflanzensaft, von dem sie sich ernährt. Dadurch entstehen Flecken auf den Pflanzen und missgebildete Früchte. Ein von der Wanze abgesondertes Sekret macht die Früchte ungenießbar.
Außerdem können durch den Einstich die Erreger von Pflanzenkrankheiten übertragen werden.
Unter den Wanzen zählt Nezara viridula zu den weltweit wichtigsten Schädlingen der Tropen und Subtropen. Aber durch den globalen Handel und den Klimawandel hat sie sich inzwischen bei uns ausgebreitet. Dank der milden Winter und der hohen Sommertemperaturen kann sie sich bei uns erfolgreich fortpflanzen. Wer Grüne Reiswanzen in seinem Garten entdeckt, wird gebeten, dies dem BUND zu melden.

Der Acker-Gelbstern – ein selten gewordener Frühlingsbote

Namensgebend für den Acker-Gelbstern sind seine leuchtend schwefelgelben Blütenblätter. Im Umland von Bretten kann man diesen Frühlingsboten gelegentlich noch an besonnten Weinberg-hängen entdecken. Er besitzt nur zwei etwa vier Millimeter breite, fast fadenförmige Laubblätter. Als Liliengewächs ist er mit den Tulpen verwandt, blüht nur von März bis Mai und überdauert als Zwiebel den Sommer, Herbst und Winter. Zusammen mit den gelben Weinbergstulpen und den blau blühenden Traubenhyazinthen trägt er zu einer artenreichen Frühlingsvegetation bei.
Das früher übliche Bearbeiten der Weinberge mit der Hacke hat dem Acker-Gelbstern nicht geschadet. Aber der Einsatz von tief den Boden bearbeitenden Maschinen zusammen mit giftigen Unkrautvernichtern, hat die Bestände des Acker-Gelbsterns drastisch verringert. Deshalb steht dieser Frühblüher auf der Roten Liste der gefährdeten Wildpflanzen.

Buchtipp : Wildlife Gardening

Die Kunst im eigenen Garten die Welt zu retten

Der Klimawandel schreitet voran. Die Insekten verschwinden. Und wir sind machtlos. Oder doch nicht? Dave Goulson zeigt, wie wir im eigenen Garten das Artensterben stoppen und zu Selbst-versorgern werden können. Pestizidfrei und CO2-neutral. Mit Katzenminze, Beinwell, und Sonnenbraut für bedrohte Bienen, mit Holunder-, Schlehen-, und Brombeersträuchern für seltene Vögel, mit Bohnen, Brokkoli und Blumenkohl – für uns selbst. Charmant leitet Goulson zur britischen Kunst des Wildlife Gardening an , mit der man reichere Ernten einfährt als mit jeder Monokultur. Dabei verrät er, warum Lavendel nicht gleich Lavendel ist, weshalb wir im Garten- center darauf achten sollten auf welchen Pflanzen sich Hummeln niederlassen und wie auch in kleinen Gärten Dutzende Gemüsesorten nebeneinander gedeihen. Mit Tomaten die Erde retten?
Dave Goulson zeigt mit seiner revolutionären Gartenkunst, wie es gelingen kann.

Carl Hanser Verlag ISBN 978-3-446-26188-4

Wildbienen: Tausend Königinnen warten auf den Frühling

Zwischen Äcker und Wiesen rings um Bretten gibt es sie noch: Erdwege, die nicht betoniert oder asphaltiert sind. Auf diesen können aufmerksame Spaziergänger schon im zeitigen Frühjahr wenige Zentimeter große Häufchen aus feinen Erdkrümeln entdecken. Sie ähneln kleinen Maulwurfshügeln, oder genauer gesagt, einem Vulkanberg mit einem Krater in der Mitte.
Sie sind das Werk von im Boden brütenden Wildbienen, deren Weibchen einen bis zu 15 Zentimeter tiefen Schacht mit ihren Kieferzangen graben. Die abgebissenen Erdkrümel werden dann um den Nesteingang herum als flacher Kegel abgelagert. Am Ende des Schachtes legt das Weibchen bis zu acht Brutzellen an, kleine Kämmerchen, die mit Futter aus Nektar und Blütenstaub gefüllt werden und in die ein Ei gelegt wird. Die daraus schlüpfenden Larven ernähren sich von diesem nahrhaften Proviant, verpuppen sich und verlassen dann als fertig entwickelte Wildbienen das Erdnest.
Von den über 400 Wildbienenarten, die es in Baden-Württemberg gibt, legen etwa 300 ihre Nester im Boden an. So auch die bis zu einem Zentimeter große Pförtner-Schmalbiene mit dem wissenschaftlichen Namen Lasioglossum malachurum, die auch in Bretten und Umgebung heimisch ist. Mehrere Weibchen sind gemeinsam am Nestbau beteiligt. Während eine Biene Futter sammelt, bewacht eine andere wie ein Pförtner den Eingang zum Nest. Wie ein Korken in der Flasche verwehrt diese anderen Bienen, die nicht zum Nest gehören, den Zutritt.

Senkrechtstarter

Mit etwas Geduld können Spaziergänger beobachten, wie die Wächterbiene, vergleichbar mit einem Senkrechtstarter, vom Nest wegfliegt, um einer Artgenossin, die vollgetankt ist mit süßem Nektar und schwer beladen mit Pollen den Weg zum Nest freigibt. Die Pförtner-Schmalbiene ist, was ihren Speisezettel betrifft, nicht wählerisch. Durch ihren Blütenbesuch trägt sie zur Samenbildung und damit zur Erhaltung von einem Dutzend Pflanzenfamilien, darunter vielen Wiesenblumen, bei.

Im August entwickelt sich dann die nächste Generation, die aus großen Männchen und Weibchen, den Königinnen, besteht. Nach der Paarung überwintern letztere in ihren Geburtsnestern.

„In Bretten gibt es Nistplätze in denen dann bis zu tausend Königinnen in frostsicherer Tiefe den kalten Winter überstehen“, weiß Matthias Menzel vom BUND. In Zusammenarbeit mit der Flurbereinigungsbehörde konnte der BUND erreichen, dass diese Brutkolonien erhalten werden.
In Deutschland sind alle Wildbienenarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützte Arten. Dieser unmittelbare Schutz ist aber für die Erhaltung der Wildbienen nicht ausreichend, weil ihre natürlichen Lebensräume immer noch neuen Wohngebieten, Gewerbeflächen und Straßen zum Opfer fallen. Außerdem sterben viele Wildbienen durch den Einsatz giftiger Pestizide.

Gesetzeslage: Wildbienen sind besonders geschützt und dennoch bedroht
Wildbienen sind vielen Bedrohungen ausgesetzt – und auf Schutz angewiesen

Vogelspinnen in Brettener Gärten und Wiesen ?

Monsterspinnen im Kino oder Fernsehen sorgen bei den Zuschauern für Angst und Schrecken und lassen ihre Knie schlottern. Andere Zeitgenossen halten handtellergroße Vogelspinnen als Terrarientiere im Wohnzimmer. Viele Menschen leiden an einer Spinnenphobie und geraten beim Anblick selbst kleinster Spinnen in Panik. Zum Glück gibt es große und gefährliche Spinnen meist nur in den warmen Tropen und Subtropen. Doch wurde erst vor Kurzem in einem Garten mitten in Bretten Verwandte der Vogelspinnen entdeckt .
„Aber keine Angst, diese Krabbeltiere erreichen höchstens eine Körpergröße von etwa einem Zentimeter“, weiß Hans-Georg Leonhardt vom BUND. Außerdem bekommt man die Pechschwarze Tapezierspinne mit dem wissenschaftlichen Namen Atypus affinis, nur sehr selten zu Gesicht, weil sie fast ihr ganzes Leben lang in einer bis zu 30 Zentimeter tiefen, selbst gegrabenen, etwa fingerlangen Röhre verbringt. Diese liegt , versteckt in der Vegetation, zur Hälfte als Fangschlauch waagerecht an der Erdoberfläche. Die Wände dieser „Wohnung“ sind mit Spinnenseide „tapeziert“, was zu ihrem Namen geführt hat.
Beutetiere, die sich ihrem Gespinst nähern, werden per Giftbiss getötet, in die Röhre gezerrt und ausgesaugt. Nur die Männchen verlassen zur Paarung ihre Wohnung und machen sich auf die Suche nach Wohnröhren der Weibchen. Nach der Paarung werden die Eier in einem Kokon aus Spinnenseide verpackt. Die jungen Spinnen schlüpfen im Herbst, verlassen aber erst an warmen Frühlingstagen die Wohnung der Mutter, um dann ein eigenständiges Leben zu führen. Doch zuerst bauen die Jungspinnen gemeinsam an Grashalmen ein zeltdachförmiges Gespinst. Von hier lassen sie sich dann an einem langen Faden vom Wind zu geeigneten Lebensräumen verwehen.

Aber warum zählen Spinnenexperten die Tapezierspinne zur Verwandtschaft der Vogelspinnen?
Die meisten Spinnen besitzen zwei nadelspitze Giftklauen, mit denen sie ihre Beutetiere mit einem Giftbiss, wie mit einer Beißzange, töten. Vogelspinnen haben parallel nach vorn gerichtete Giftklauen, die von oben in das Opfer gestochen werden, vergleichbar mit dem Biss von Giftschlangen. Bei Gefahr richtet die Tapezierspinne ihre Giftklauen hoch auf und droht damit
eindrucksvoll ihren Angreifern. Aber keine Sorge! Beim Menschen soll der Biss einer Tapezierspinne nur für kurze Zeit ein leichtes Brennen mit einer Rötung an der Bissstelle verursachen. Dies ist bisher aber nur extrem selten vorgekommen.
Leider ist der Bestand der Tapezierspinne, sie war Spinne des Jahres 2013, nach der Roten Liste in Deutschland, gefährdet.

Die Gemeine Tapezierspinne, Atypus affinis(Araneae: Atypidae), Spinne des Jahres 2013

Winzlinge auf dem Eis

Eingemummt in den dicken Wintermantel, die Mütze weit über die Ohren gezogen und gefütterte Stiefel an den Beinen, nur so trauen sich Spaziergänger an frostigen Wintertagen ins Freie. Unvorstellbar, dass es auch bei uns im Kraichgau gleich mehrere Arten winziger Tiere gibt, die unbekleidet und mit nackten Beinen auf dem eiskalten Schnee herumlaufen und sich dabei sichtlich wohl fühlen. Die meisten sind langgestreckt und dunkel, einige aber kugelförmig und rotbraun gefärbt wie der Bunte Kugelspringer.

Es sind urtümliche Insekten, die zu den Springschwänzen zählen. Ihren Namen haben diese Winzlinge von ihrer auf der Bauchseite liegenden Sprunggabel, mit der sie mehrere Zentimeter weit springen können. Ihre Verwandten, die in den eisigen Höhenlagen der Hochgebirge auf Gletschern leben, werden auch als Gletscherflöhe bezeichnet. Mehrere Grade unter dem Gefrierpunkt können diesen Tierchen nichts anhaben, weil ihr Blut ein Frostschutzmittel enthält, das sie vor dem Tod durch Erfrieren schützt.

„Man muss beim Absuchen von Schneeflächen schon genau hinschauen, wenn man diese Winzlinge entdecken will, weil manche von ihnen kleiner als ein Millimeter sind“ , weiß Matthias Menzel vom BUND. Oft werden sie für kleine dunkle Rußteilchen gehalten und nicht beachtet. Auf dem Schnee besteht ihre Nahrung aus Pilzsporen,winzigen Algen oder angewehten Pollenkörnern von Frühblühern. Springschwänze sind erstaunlich zählebig. Manche könnten mehrere Jahre in der Gefriertruhe überleben. In der schnee- und eisfreien Jahreszeit besiedeln diese Tierchen oberste Bodenschicht, wo sie zur Humusbildung beitragen.

Brettener mit langen Hörnern

Noch kann man sie auf Streuobstwiesen in der Umgebung von Bretten antreffen: Die Mai-Langhornbienen. Ihren Namen tragen diese Wildbienen zurecht, weil ihre Fühler oft länger als der Körper sind. Die Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens), die Wildbiene des Jahres 2021, ist in der freien Natur und mit bloßem Auge von anderen Langhornbienen kaum zu unterscheiden.
Die Flugzeit kann hier allerdings weiterhelfen. Während die Mai-Langhornbiene bereits im Mai fliegt, hat die Juni-Langhornbiene (Eucera longicornis) ihre Hauptflugzeit im Monat Juni.

Die Streuobstwiesen im Kraichgau, auf denen reichlich Zaunwicken oder andere Schmetterlings-blütler blühen, sind der bevorzugte Lebensraum dieser Bienen. Auch an Waldrändern und Hecken kann man sie antreffen.
An wenig bewachsenen Stellen graben die Weibchen Gänge in den Boden und legen dort Brutkammern an, die mit Nektar und Blütenstaub als Futter für die heranwachsenden Larven gefüllt werden. Nach dem Nestbau sterben die Weibchen. Die jungen Bienen schlüpfen erst im nächsten Frühjahr.

Der Bestand hat in einigen Bundesländern bereits ein bedrohlich geringes Ausmaß erreicht, obwohl alle Wildbienenarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz aus dem Jahr 2002 besonders geschützt sind. Immer noch verschwinden Tag für Tag ihre Lebensräume unter Beton und Asphalt und aktuelle Planungen verschärfen die Situation. Nur wenn bestehendes Grünland ausnahmslos erhalten bleibt und Schutzmaßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt oberste Priorität eingeräumt wird, werden auch die Mai-Langhornbienen bei uns eine Überlebenschance haben. Darauf weist der BUND Bretten seit Jahren hin.

Gesetzeslage: Wildbienen sind besonders geschützt und dennoch bedroht

Wildbienen: Gesetze

Der Maulwurf

Bild von Dirk (Beeki®) Schumacher auf Pixabay
In der Unterwelt Brettener Gärten zu Hause

Wegen seiner unterirdischen Lebensweise bekommt man ihn selten zu sehen, den Maulwurf (Talpa europaea). Sein Name ist auf das alte Worte Molte, das Erde bedeutet, zurückzuführen. Der „Erdwerfer“ häuft in Wiesen und Gärten stattliche Erdhügel auf. Diese Maulwurfshügel sind kuppelförmig und enthalten grobe Erde. Für ein Leben unter der Erde ist dieses Säugetier mit einer Körperlänge von etwa 15 Zentimeter Länge bestens ausgerüstet. Seine Schnauze ähnelt einem Schweinerüssel, mit dem er seine Beutetiere erschnüffelt, und seine Hände sind zu kräftigen Schaufeln entwickelt, mit denen er sein viele Meter langes Gangsystem gräbt. Sein meist schwarzes Fell hat keinen Haarstrich, um das Rückwärtskriechen nicht zu erschweren. Auch besitzt er keine Ohrmuscheln. Diese wären bei der Fortbewegung in der engen Erdröhre hinderlich. Seine Augen sind nur so klein wie Mohnkörner. Da er in völliger Finsternis lebt, wären gut entwickelte Augen völlig nutzlos.
Mit seinem guten Geruchssinn spürt er in den Erdgängen seine Beutetiere auf, hauptsächlich Regenwürmer, Engerlinge und andere Insektenlarven. Zum Ergreifen der Beutetiere dient ihm sein Insektenfressergebiss. Seine insgesamt 44 winzigen Zähne haben scharfe Kanten und spitze Höcker.
Der Bau seiner Gänge ist kräftezehrend, deshalb muss er dauernd fressen. Nur wenige Stunden überlebt er ohne Mahlzeit. Die tägliche Futtermenge entspricht seinem halben Körpergewicht.
Manchen Gartenbesitzern ist es lästig, wenn der Maulwurf auf der gepflegten Rasenfläche seine Erdhügel aufwirft. „Dies macht er aber nur so lange, bis er keine Engerlinge, die die Graswurzeln abfressen, mehr findet. Mit knurrendem Magen zieht der nützliche Helfer dann weiter“, weiß Matthias Menzel vom BUND.

Früher wurde der Maulwurf , weil man glaubte, dass er schädlich sei, getötet und wegen seines flauschigen Fells sogar von „Maulwurfsfängern“ bejagt. Vor hundert Jahren wurden Maulwurfsfelle zum Pelzen verarbeitet, die sehr beliebt waren. Da Maulwürfe so klein sind, mussten viele Tiere ihr Leben für die Mode lassen. Inzwischen hat man die Nützlichkeit dieses Insektenfressers erkannt.

„In Deutschland ist der Europäische Maulwurf nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Wer einem Maulwurf vorsätzlich nachstellt oder ihn gar tötet, der muss mit einer empfindlichen Geldstrafe rechnen“, betont Hartmut Weinrebe vom BUND-Regionalverband Mittlerer Oberrhein.

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat den Europäischen Maulwurf (Talpa europaea) zum Tier des Jahres 2020 gewählt.
BUND-Net: Von Mensch und Maulwurf

77 Prozent der Deutschen wollen keine Pestizide mehr !

Bild von Erich Westendarp

Dies ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage, die vom Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft und dem Umweltinstitut München in Auftrag gegeben wurde. Beide Organisationen fordern ein Sofortverbot der Pestizide, die sich hauptsächlich über die Luft verbreiten. Das massive Insektensterben hat offensichtlich weite Teile der Bevölkerung zum Umdenken veranlasst.
Die Menschen sorgen sich um ihre Gesundheit und um die Natur. Denn Glyphosat und andere Pestizide wurden überall in Deutschland fernab von den Ackerflächen, auf denen sie eingesetzt waren, nachgewiesen.
Agrarministerin Julia Klöckner und Umweltministerin Svenja Schulze sollten deshalb unverzüglich handeln und mit dem Pestizidausstieg in Deutschland beginnen.

Siehe auch: Selbst im Leipziger Stadtgebiet sind Pestizidrückstände aus der Landwirtschaft nachweisbar

Unser Rüdtwald-Video

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